Herr über Millionen Angestellte
Robert Mayr aus Sulgen wagte den Schritt zum selbständigen Berufsimker
SULGEN. Robert Mayr hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Wanderimker verdient er seit drei Jahren einen Teil seines Lebensunterhalts. Zudem erteilt er Imkerkurse.
Der Sulger Robert Mayr hat ganz klein als Hobby-Bienenhalter angefangen. «Ich erhielt 1988 von einem Landwirt ein Bienenhaus. Darin habe ich vorerst nur mit drei Bienenvölkern und ausschliesslich im Bienenhaus gearbeitet.» Die Bienen begannen Mayr immer mehr zu faszinieren. «Die Biene ist für mich zu einem sehr interessanten Tier geworden.» Man lerne im Verhalten der emsigen Wesen immer Neues hinzu.
Freistehende Kästen
Das habe ihn später bewogen, neue Wege in der Imkerei zu beschreiten, sagt der gelernte Mechaniker und spätere Logistik-Leiter eines mittelständischen Unternehmens. Da es schon immer sein Traum gewesen sei, sich selbständig zu machen, habe er sich im Oktober 2005 entschlossen, seinen bisherigen Beruf an den Nagel zu hängen und als hauptberuflicher Imker den Lebensunterhalt zu bestreiten. Mayr gehört damit zu den wenigen in der Schweiz, welche die Imkerei vollberuflich ausüben. In Sulgen seien es mit ihm deren zwei.
Im Jahr 1997 habe er einen sehr wichtigen Schritt getan, als er das Imkern im Bienenkasten-System «Dadant» aufbaute, erzählt Robert Mayr. Das sei ein System, das aus frei stehenden Kästen, sogenannten Dadant-Magazinen, aufgebaut ist. Ein wesentliches äusseres Merkmal der Magazinimkerei sei es, dass die Kästen nicht mehr im Bienenhaus, sondern in der freien Natur plaziert werden, sagt Mayr. Zudem habe er begonnen, mehrere Honigsorten zu erzeugen. Dafür müsse er seine Magazine an verschiedenen Standorten plazieren. So habe er neben seinem Hauptstandort in Sulgen einige weitere in Graubünden und einen im Malcantone im Tessin. «Dadurch wird es mir möglich, sechs verschiedene Honigsorten zu produzieren.»
Oft tagelang allein
Robert Mayr ist ein Wanderimker. «Ich wandere mit meinen Magazinen quasi dem Frühling nach.» Die Standorte während der Trachtzeiten werden mit dem Auto immer wieder angefahren. Das bedinge, dass er oft tagelang allein und damit von zu Hause abwesend sei, erzählt Mayr. Das könne er jedoch wegstecken, «denn mir macht es Freude, dass ich aus meinem Hobby einen Beruf machen konnte».
Die grosse Sorge, welche er und seine Imker-Kolleginnen und Imker-Kollegen hätten, sei das Auftreten der gefährlichen Varroa-Milbe. «Bei der Bekämpfung dieser Milbe sind absolute Disziplin und Sauberkeit erforderlich», betont Robert Mayr. Damit sei er selbst sehr gut gefahren. Mayr hat heute ein Millionenheer von «Angestellten», welches ihm hochwertigen Honig in verschiedenen Sorten abliefert. «Ich vermehrte laufend die Zahl der Völker und bin heute bei 150 Ertragsvölkern angelangt.» Robert Mayr züchtet zudem selbst Königinnen, die er auch zum Kauf anbietet.
Zu wenig Nachwuchs
Allerdings könne er allein von den Bienen beziehungsweise vom zertifizierten Bienenhonig nicht leben, räumt Mayr ein. «Ich biete deshalb viele Zusatzprodukte, die aus der Bienenhaltung entstammen, an.» Neben seiner Berufsausübung gibt er in Imkerkursen auch sein Fachwissen weiter. «Wir haben Nachwuchssorgen, denn das Imkern ist doch eine aufwendige Arbeit, die viel Zeit erfordert.»
Rolf Käser